Die Zukunftsperspektiven von Singapur

The River Merchants in Singapur Trotz, oder gerade wegen der autoritären Führung und Politik ist Singapur sehr flexibel, denn die Politiker sind sich sehr wohl bewusst, dass sie neue Möglichkeiten finden und nutzen müssen, um den wirtschaftlichen Aufschwung des kleinen Landes weiter voranzutreiben. Anders als in den meisten Ländern wird aktiv versucht Krisen vorauszusehen und auch aktiv zu vermeiden, also sie gar nicht erst entstehen zu lassen, um dann darauf reagieren zu müssen. Die autoritäre und autonome Staatsform bietet dafür zwar gute Voraussetzungen, da schnell Entscheidungen getroffen werden können, besonders kontroverse sowie schwierige Entscheidungen. Aber den Verantwortlichen ist sehr wohl bewusst, dass der Wohlstand von Singapur vor allem von der Wettbewerbsfähigkeit seiner Unternehmen abhängt und dass der Staat deshalb möglichst gute Rahmenbedingungen bieten muss. Deshalb wird auch die Privatwirtschaft in die Entscheidungsfindung miteinbezogen, die endgültige Entscheidung wird jedoch nur von den Politikern getroffen. Durch dieses Vorgehen ist gesichert, dass Singapur einerseits nicht von individuellen Interessen beeinflusst wird und dass andererseits die Chance auf Akzeptanz und Umsetzung der getroffenen Entscheidungen größer ist.

Entwicklung und Liberalisierung

Die Politiker des Stadtstaates sind sich weitgehend darüber einig, dass Singapur sich mit der Welt entwickeln und verändern muss, um seinen Wohlstand zu bewahren. Man hat den Ehrgeiz in allen staatlichen und staatlich vermittelten Tätigkeitsbereichen “Weltklasse” zu sein, wahrscheinlich wegen der Verwundbarkeit des Kleinstaates.
Dabei ist man der Meinung, dass die Unternehmen Singapurs möglichst kreativ, risikobereit und risikobewusst geführt werden müssen und neue, moderne Technologien nutzen sollten und sich ebenfalls an der Erforschung dieser beteiligen sollten. Außerdem wünscht man sich einen freien Weltmarkt, aber die WTO und die ASEAN reagieren Singapur nicht schnell genug. Singapur verhandelte und verhandelt deshalb selber mit anderen Ländern über Freihandelsabkommen. Im November 2000 schloss Singapur zum Beispiel einen bilateralen Freihandelsvertrag mit Neuseeland, einige ASEAN Partner waren davon nicht sehr begeistert. Des Weiteren wird daran gearbeitet, die eigenen Unternehmen durch weitere Internationalisierung und Deregulierung wettbewerbsfähiger zu machen. Im Industriesektor ist die gewünschte Internationalisierung schon erreicht, beim Finanz- und Dienstleistungssektor noch nicht ganz. Der Telekommunikationsmarkt wurde schon im April 2000 liberalisiert, als Nächstes sollen der Energie-, der Versicherungs- und vor allem der Finanzsektor folgen. Trotz der Liberalisierung wurden einige Maßnahmen getroffen, um Korruption und zu starke Vernetzung weiterhin zu unterbinden. Singapur zwang im Sommer 2000 alle Banken zu größerer Transparenz, d.h., sie mussten sich binnen einer Frist von drei Jahren von ihren Beteiligungen in anderen Wirtschaftssektoren trennen. Als Ausgleich wurden diese Trennungen steuerlich begünstigt.

Auch die Börse von Singapur, die Singapore Exchange (SGX), wurde modernisiert und kooperierte mit vielen anderen Börsen. Die Herausgabe von Anleihen, sowie Neuemissionen wurde erleichtert, aber gleichzeitig wurden die Transparenzvorschriften erweitert. Mit dieser Aktion wurden auch einige staatliche Betriebe privatisiert, was auf großes Interesse bei den Anlegern stieß. Zum Schutz vor Übernahmeversuchen oder Risikoanlagen konnte man sich nicht zu einer vollständigen Privatisierung aller staatlich kontrollierten Firmen durchringen. Bislang galten diese Unternehmen als sehr ordentlich, aber auch sehr vorsichtig und wenig kreativ geführt, da sie meist von Beamten und nicht von risikofreudigen Managern geleitet wurden. Deshalb versuchte man kompetente Manager aus dem Ausland zu finden. Bei den beiden größten Banken gelang dies ohne Probleme.

Technologie und Wissenschaft

Zusammenfassend kann man sagen, dass Singapur im Moment die vorhandene Wirtschaft in eine so genannte “hi tech, knowledge-based economy” umzuwandeln versucht. Man hat erkannt, dass man nur mit aktuellen Technologien und Produkten an der Spitze des Weltmarktes bleiben kann, und dass damit auch das meiste Geld verdient wird. Die bisherige Produktion von Elektronikartikeln wie Computerlaufwerken etc. ist nicht mehr rentabel genug, da der Wettbewerb stärker geworden ist. Die Technologie zur Herstellung dieser Artikel ist mittlerweile auch in weniger technisierten Ländern wie China oder Indien verfügbar. Singapur versucht deshalb jetzt Unternehmen zu fördern, die kreativ sind und vor allem neue Produkte herstellen, oder an neuen Produkten und Technologien forschen.

Biotechnologie

Als besonders interessanter und lukrativer Sektor ist Singapur bereits 2002 die Biotechnologie aufgefallen. Am 18.07.2002 entschied sich die Regierung dafür die Stammzellen-Forschung und das Klonen von Embryos zu Forschungszwecken zu erlauben. Dies hatte mehrere Gründe.
Da die Stammzellen-Forschung, beziehungsweise das Klonen von Embryonen, in den meisten Ländern verboten ist, glaubte man, sich einfacher einen Technologievorsprung sichern zu können. Außerdem gibt es in Singapur, bei steigendem Bedarf, noch sehr wenige kompetente, gut ausgebildete und erfahrene Wissenschaftler sowie Manager. Deshalb versucht man in Singapur auch ausländische Spitzenkräfte anzuwerben. Der wachsende Bedarf soll sogar durch die Vergabe von Stipendien gedeckt werden. Man erhofft sich, dass die ausländischen Studenten nach dem Examen im Land bleiben. Im besonderen Fall der Biotechnologie ist es natürlich einfacher, die erfahrenen und guten Wissenschaftler aus anderen Ländern abzuwerben, wenn diese dort nicht forschen dürfen und man ihnen in Singapur die Möglichkeit dazu bietet.
Außerdem ist man davon überzeugt, dass die Ergebnisse der Forschung auf diesem Gebiet einen großen Nutzen für die Menschheit haben werden, beziehungsweise die Mediziner hoffen, dass sich durch die Erkenntnisse auf diesem Gebiet neue Behandlungsmethoden für viele Krankheiten, wie zum Beispiel Alzheimer, Parkinson oder Diabetes, finden lassen.
Doch auch die Touristik soll weiter gefördert werden, Singapur will vom Langweiler-Image wegkommen und zur “pulsierenden Metropole” werden.

(Bilder [2]Singapor3 und [3]IRRI Images von flickr.com)

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